KIRnews

Menschen in Macht-Positionen

In Zeiten der Epstein-Akten wird wieder deutlich, wie viele jener Menschen, die in den obersten Machtpositionen unserer Gesellschaft sind, ihre Macht missbrauchen und böse Dinge tun (und zulassen).

Frage: macht Macht böse?

Sorgt Macht also dafür, dass man unmoralisch wird? Verdirbt Macht den Charakter eines Menschen?

Vielleicht ist das genau verkehrt herum gedacht und es ist in Wirklichkeit so:

Machtpositionen sind unglaublich attraktiv für unmoralische Menschen.

Ein unmoralischer Mensch, der böse Dinge tun will, hat also den Anreiz, möglichst hoch in der gesellschaftlochen Machtpyramide aufzusteigen.

Oben angelangt, kann er dann unmoralische Dinge tun und muss viel weniger negative Konsequenzen erwarten, als wenn er weniger einflussreich wäre.

Natürlich schaffen es nicht alle unmoralischen Menschen nach oben. Die ungeschickteren werden schon früher aussortiert. Sie landen im Gefängnis oder werden von den anderen Menschen gar nicht „nach oben“ gelassen, weil sie so offensichtlich untauglich oder unmoralisch sind.

Antwort: die Incentives sind schuld!

Die geschickteren jedoch schaffen es mit der Zeit nach oben. Sie haben den nötigen „Drive“.

Diese Motivation haben sie, weil sie wissen, wie hoch ihre „Belohnung“ ist, sobald sie es an die Spitze der gesellschaftlichen Hierarchie geschafft haben.

Die Anreize (Incentives) sind also so: Wer unmoralisch ist, will Macht. Viele scheitern, aber manche setzen sich durch. Am Ende landen die unmoralischen Menschen weiter oben in der Gesellschaftspyramide, weil sie mehr intrinsische Motivation haben, an die Spitze zu kommen, als ihre moralisch guten Kontrahenten.

Wie kann eine Gesellschaft also dafür sorgen, dass in ihren wichtigsten Positionen Menschen sind, die moralisch gut sind und dementsprechend handeln?

Lösung: römische Bauern.

Eine überraschende Lösung wäre: Wir sollten nur Menschen in Machtpositionen bringen, die NICHT dorthin wollen!

Das klingt absurd. Aber wir können nicht erwarten, dass unmoralische Menschen, die sich verbissen nach oben kämpfen, sich dann plötzlich ändern und nun moralisch gut verhalten, sobald sie an der Spitze angekommen sind.

Stattdessen müssen wir mehr moralische Menschen drängen, Machtpositionen zu übernehmen, auch wenn sie dies gar nicht wollen. Der Fakt, dass sie nicht „mächtig„ sein wollen, sagt Gutes über ihre Moral aus!

Das legendärste Beispiel hierfür ist der antike römische Politiker Lucius Quinctius Cincinnatus, welcher von sich aus zurück auf seinen Bauernhof ging, nachdem er von seinen Mitbürgern gedrängt worden war, für einige Wochen römischer Diktator zu sein, um die Stadt Rom zu retten.

Moralische Menschen sind, gerade weil sie es nicht wollen, die einzig richtigen für die Top-Positionen unserer demokratischen Gesellschaft.

Wir müssen also mehr dieser Menschen drängen, zumindest für einige Zeit die Verantwortung zu übernehmen - am Ende dürfen sie eh wieder zurück auf ihre Felder - und das ist ohnehin das, was sie wollen.